Bacchanal von Putti

Die Plastik Bacchanal von Putti befindet sich in der Borghese Gallerie in Rom und ist eine Kopie des von Giovanni Campi geschaffenen Werks von François Duquesnoy. Das Marmorrelief ist am ultramarinblauen Lapis Lazuli angebracht, der auch zur Gestaltung des Rahmens verwendet wurde. Die die Komposition umrahmenden Bretter sowie die Adler- und Drachenfiguren sind aus vergoldetem Metall gearbeitet. Abmessungen des Kunstwerks: 1 x 0,8 m. Die Plastik Bacchanal von Putti ist im Raum Nr. 6 ausgestellt.

Historischer Bezug

1618 kam Duquesnoy aus Brüssel nach Rom und wurde von Kunstkritikern begeistert empfangen. Zeitgenossen bewunderten die Werke des Bildhauers und sahen in ihm einen herausragenden Meister, der es wie kein anderer geschafft hat, die Ideale der klassischen Kunst zu verwirklichen. Eine enge Freundschaft knüpfte Duquesnoy mit dem Maler Nicolas Poussin. Das Schafften des Malers hatte einen großen Einfluss auf die frühen Werke des Bildhauers. Ein Beispiel dafür ist das Relief, das zur Dekoration der Villa Doria Pamphilj angefertigt wurde. Wenn man sich die von Duquesnoy geschaffenen Bilder ansieht, ist es unmöglich, den Einfluss von Tizian nicht zu erkennen. In den Werken des Bildhauers ist die Ehrfurcht vor den Meisterwerken des großen Künstlers deutlich zu spüren.

Nachdem er sich 1618 in Rom wiedergefunden hatte, begann er mit besonderem Eifer – so behaupten Kunsthistoriker und Biographen von Duquesnoy – die Werke der antiken Plastik zu studieren. Der junge Bildhauer untersuchte sorgfältig die Reiterstatue von Kaiser Marcus Aurelius und analysierte jedes Detail, um zu verstehen, wie die alten römischen Meister das Denkmal in Bronze gegossen hatten. Duquesnoy machte sogar eine Reise zum Nemi-See, begierig darauf, den heidnischen Tempel der Göttin Diana mit eigenen Augen zu erblicken. 1624 ließ sich der französische Künstler Nicolas Poussin in Rom nieder, der auch eine Leidenschaft für die klassische Kunst teilte, welche sich deutlich in den Gemälden des Malers widerspiegelte. Die beiden Jungmeister, die aus anderen Ländern in die „Ewige Stadt“ kamen, verbrachten viel Zeit miteinander. Sie traten einer Künstlergruppe bei, die die Schirmherrschaft von Cassiano dal Pozzo, dem größten italienischen Gelehrten, Sachkenner und Kunstschätzer, genoss. Sie besuchten auch die intellektuelle Gemeinschaft der römischen Humanisten, die unter der Schirmherrschaft des Patrons gegründet wurde.

Duquesnoy und Nicolas Poussin, die sich in verschiedenen Gebieten der Kunst verwirklichen, haben Ausdrucksmittel und -methoden entwickelt, die es ermöglichen, ideale Gestalten zu verkörpern, die den Kanons des Klassizismus entsprechen und den barocken Theaterkreationen Berninis etwas im Widerspruch stehen. Viele Kunstkritiker, darunter Giovanni Pietro Bellori, Autor des kunsthistorischen Werks „Das Leben zeitgenössischer Künstler, Bildhauer und Architekten“, das 1672 veröffentlicht wurde, lobpriesen die Werke von Duquesnoy. Sie glaubten, dass sie die Schönheit und Formen der Kunst der römischen Antike verkörpern. So fanden die klassischen Kanons eine neue, aktuelle Interpretation. Bellori schrieb, dass die Statue der „Heiligen Susanna ein Beispiel für moderne Künstler ist, wie man die skulpturale Gestalt einer in Kleidung gehüllten Figur anfertigt. Denn das Niveau der Skulptur entspricht den plastischen Werken der besten Meister der Antike.“

Zu den frühen Werken von Duquesnoy gehört ein Flachrelief mit Puttenbildern, das als Zierde für die Villa von Doria Pamphilj dienen sollte. Einige Projekte zur Innendekoration entstanden in Zusammenarbeit mit Bernini, obwohl die Zeitgenossen einen großen Unterschied in der künstlerischen Art der beiden Bildhauer feststellten. So arbeiteten beide Meister beispielsweise gemeinsam an der Gestaltung des Baldachins im Petersdom. Die Arbeit an einem einzigartigen Meisterwerk dauerte mehrere Jahre (von 1624 – bis 1633). Unter anderem fertigte Duquesnoy persönlich vier Bronzefiguren von Engeln an, die die herabhängenden Kanten des Baldachins halten. Prächtig angefertigte Skulpturen verschafften dem Meister viele weitere Aufträge.

Analyse des Werks

Die Plastik Bacchanal von Putti gilt eher als Werk der bildenden Kunst und nicht als Beispiel für Reliefskulptur. Dieses Gefühl entsteht vielleicht aufgrund der zweifarbigen Komposition: Dunkle Figuren stehen vor einem ultramarinblauen Hintergrund. Der vergoldete Rahmen verstärkt zudem die Ähnlichkeit mit Gemälden. Der Adler, der die Komposition krönt, sowie die Drachen, die sich unten in der rechten und linken Ecke befinden, enthalten Anklänge an die Symbole des Wappens der Familie Borghese.

Über Kunstkenner und Auftraggeber

Giovanni Pietro Bellori beschrieb in seinem monumentalen Werk „Das Leben zeitgenössischer Künstler, Bildhauer und Architekten“ (1672) die Biographie von „Francesco von Flandern “ (so nannte der Kenner und Kunsthistoriker Francois Duquesnoy) und bemerkte, dass der Meister eine Ton-Skulptur fertiggestellt hatte, welche die Bacchanal von Putti darstellt. Anschließend, so der Forscher, fertigte Tommaso Fedele eine exakte Kopie des Werks in Marmor an. Derzeit gilt das Flachrelief als verschollen, obwohl urkundliche Quellen darauf hindeuten, dass der italienische Kurienkardinal Francesco Barberini es dem spanischen König Philipp IV. geschenkt hat.

Giovanni Battista Passeri, der Verfasser eines weiteren bibliographischen Werks über das Leben der Künstler, die in der „Ewigen Stadt“ lebten und schufen, beschrieb (1680) in seinem Werk, wie der flämische Meister, der 1618 in Rom ankam, mit Bernini und Nicolas Poussin zusammenarbeitete. Den Berichten des Forschers zufolge fertigte der Bildhauer, der das Gemälde „Anbetung der Venus“ von Tizian Vecellio sorgfältig studiert hatte, eine große Anzahl von Flachreliefs mit Darstellungen von miteinander spielenden Putti an. Ein Gemälde mit mythologischen Szenen, gemalt von einem großen Meister der Renaissance, ist heute Teil der Sammlung des Nationalmuseums Prado in Madrid.

Bemerkenswert ist, dass sich das Gemälde „Anbetung der Venus“ von Tizian nach 1598 in Rom in der Sammlung der Adelsfamilie Aldobrandini befand. 1639 war das berühmte Gemälde im Besitz des spanischen Königs Philipp IV.

Das Werk „Bacchanal von Putti“, das in der Kunstsammlung Borghese präsentiert wird, kann entweder eine der vielen von Francois Duquesnoy selbst angefertigten Autorenversionen oder eine Kopie sein. Aus Archivdokumenten geht hervor, dass das Flachrelief von Giovanni Campi angefertigt wurde, der in der Zeit von 1649 bis 1651 Geldbelohnungen für Arbeiten erhielt, die von einem Vertreter der berühmten Fürstenfamilie in Auftrag gegeben wurden. Das Werk „Bacchanal von Putti“ sowie die Figuren „Schwarze Jäger“ „wanderten“ im 18. Jahrhundert immer wieder von einem Raum der Borghese Gallerie in den anderen: es war zuerst im sogenannten Gladiatorensaal, dann im Raum Nr. 3 (Apollo und Daphne).

Borghese Gallery in Rome,

Autor: François Duquesnoy

Francois Duquesnoy

François Duquesnoy war ein herausragender flämischer Bildhauer, dessen Leben und Schaffen mit der "Ewigen Stadt" verbunden war. Dank der großartigen Werke des Meisters, die in Rom angefertigt wurden, war er neben Künstlern wie Alessandro Algardi (1598-1654) und dem unvergleichlichen Lorenzo Bernini (1598-1680) als einer der größten Vertreter der Barockkunst berühmt. Zu den bekanntesten Werken von Duquenois gehören die Statue des Heiligen Andreas, die 1629-1633 zur Dekoration der Kathedrale St. Peter im Vatikan angefertigt wurde, sowie die Marmorskulptur der Heiligen Susanna, die 1630-1633 zur Dekoration im Inneren der Basilika Santa Maria di Loreto in Rom geschaffen wurde. Die Werke des Meisters erwecken weniger emotionalen Eindruck als die von Bernini. Dabei ähnelt Duquesnoys künstlerischer Stil, der sich durch tiefe Dramatik auszeichnet, in vielerlei Hinsicht dem von Algardi.