Neptun

Die Bronze-Statue von Neptun, ein Werk von Giovanni Lorenzo Bernini, befindet sich in der Borghese Galerie in Rom und ist in Raum 4 zu sehen (Höhe der Statue: 52 cm).

Historischer Hintergrund

Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680) gilt als einer der bekanntesten und angesehensten Bildhauer Europas des 17. Jahrhunderts. Dank seines erstaunlichen Talents für die Fertigung exquisiter Dekorationsgegenstände und seiner unübertroffenen Handwerkskunst, Marmor zu schnitzen, gewann der Künstler die Schirmherrschaft einflussreicher Papsttümer, Kardinäle und anderer Vertreter der höchsten Geistlichen. Bernini erfüllte die Aufgaben des Architekten und schaffte es, Rom zu einer der ästhetisch bedeutendsten Hauptstädte der Welt zu machen. Die Bronze-Statue von Neptun, die in der Galerie Borghese ausgestellt ist, wurde höchstwahrscheinlich nach einem Vorbild des Künstlers gegossen, als er in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts an der Komposition eines Marmorbrunnens arbeitete, der von Kardinal Alessandro Peretti di Montalto in Auftrag gegeben wurde.

Am Anfang seines Schaffensweges hatte der junge Giovanni Lorenzo die Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters, Pietro Bernini (1562 – 1629), erhalten, der damals als sehr erfolgreicher Bildhauer galt. Der junge Mann hatte ein grosses Talent und konnte Kunsthistorikern zufolge ab seinem achten Lebensjahr prächtige Figuren aus Marmor schnitzen.

Bereits mit 10 Jahren fertigte Bernini seine Skulpturengruppe „Die Ziege Amalthea mit dem kleinen Jupiter und einem Faun“. Schon 1618-1624 verbreitete sich der Ruhm des erstaunlichen Talents des Meisters, als er im Auftrag von Kardinal Scipione (Scipio) Borghese vier Statuen aus Marmor schnitzte: „Aeneas, Anchises und Ascanius“, „Der Raub der Proserpine“, „Apollo und Daphne“ und „David“ (alle Plastiken sind heute Teil der Sammlung der berühmten Fürstenfamilie).

Die tiefe Bedeutung, die in den Skulpturen von Bernini verborgen ist, anmutige Verkörperung komplexer Kompositionslösungen sowie die Kunstfertigkeit zur Ausführung von Werken erhob den Künstler hoch empor. Der Bildhauer wurde zu Recht als der beste Meister seiner Zeit anerkannt. Im Auftrag des mächtigen Schutzherrn von Bernini, Kardinal Maffeo Barberini, der später Papst Urban VIII. wurde, beschäftigte sich der Künstler mit der Gestaltung der Innen- und Außendekoration des Petersdoms in Rom.

Schirmherren und Auftraggeber des Meisters

Als der Bildhauer im Auftrag von Sipione Borghese an der Schaffung der zuvor erwähnten Statuen arbeitete, wurde er von Kardinal Alessandro Peretti di Montalto mit der Bitte angesprochen, die Dekoration des Marmorbrunnens zu übernehmen. Nach dem Vorhaben des Auftraggebers sollte sich die Skulptur über eine große Wasserschale erheben, die im Park neben der Villa Negroni Montalto in Rom installiert war. Bernini arbeitete von März 1622 bis Februar 1623 an der Marmorkomposition. Die Figur des Neptun ist nach vorne geneigt dargestellt. Es scheint, als ob der Umhang der Figur von starken Windböen aufsteigt, den ganzen Körper umgibt und chaotische Falten bildet.

Der alte Gott des Meeres mit einem Dreizack in den Händen sieht aus, als wäre er jeden Moment bereit, seine Waffe anzuwenden. Neptun steht mit weit auseinander stehenden Beinen, darunter die Figur von Triton, der in eine Muschel bläst, die als Signalhorn dient. Von hier aus, aus dem Horn, sprudelten Wasserströme heraus.

Berninis Marmorwerke schmückten die Villa des Kardinals bis 1786, als sie von Thomas Jenkins, einem in seinen Fachkreisen bekannten Antiquar aus England, erworben wurde.

Analyse des Werks

Die Bronze-Statue ist eine mehrfach verkleinerte Kopie der Marmorfigur „Neptun und Triton“ von Gian Lorenzo Bernini, die um 1622 von Kardinal Alessandro Peretti di Montalto in Auftrag gegeben wurde. Die Skulptur sollte den Brunnen (Fischteich) im Hinterhof der Villa Negroni Montalto schmücken.

In kunsthistorischen Fachkreisen ist bekannt, dass es eine andere Version der Skulpturengruppe gibt. Es geht um ein Werk, in dem die Figur des Triton durch einen Delphin ersetzt wird. Die Forscher vermuten, dass diese Arbeit vom Autor in einer früheren Zeit ausgeführt wurde und fast eine exakte Kopie der berühmten Statue war, die den Marmorbrunnen von Kardinal Alessandro Peretti di Montalto schmückte.

Bei der Skulptur, die in der Borghese Galerie ausgestellt ist, befindet sich anstelle von Triton ein Delphin am Fuße des Neptun, der nach römischer Mythologie dem Gott des Meeres half. Nach Meinung des Autors war ein solcher Ersatz für eine kleine Bronze-Statue höchstwahrscheinlich nicht von grundlegender Bedeutung. Offiziell gehört das Werk „Neptun“ zum Bestand der Schatzkammer der Nationalgalerie für antike Kunst in Rom. Berninis Werk wird seit 1945 vorübergehend in der Galerie Borghese aufbewahrt.

Borghese Gallery in Rome,

Autor: Giovanni Lorenzo Bernini

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Giovanni Lorenzo Bernini war ein herausragender Architekt und Stadtplaner und entwarf öffentliche Plätze, weltliche Gebäude, Kirchen, Kapellen. Groß angelegte Projekte, darunter sowohl bauliche Anlagen als auch skulpturale Kreationen sind mit seinem Namen verbunden. Besonderes Augenmerk sollte auf die prächtigen Stadtbrunnen, Grabsteine ​​und eine Vielzahl von Ziergliedern aus Gips und Holz gelegt werden, die für feierliche Beerdigungen und festliche Prozessionen gearbeitet wurden.