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Johannes der Täufer

Das Gemälde „Johannes der Täufer“, auch bekannt als „Johannes der Täufer in der Wildnis“, stammt aus dem Pinsel von Michelangelo Merisi da Caravaggio und war Gegenstand von mindestens acht Gemälden des Meisters zu diesem Thema. Das Motv des Bildes ist dem Evangelium entlehnt.

Historischer Hintergrund

Johannes der Täufer lebte als Asket in der Wüste Judäas zwischen Jerusalem und dem Toten Meer. Nach der Tradition des Evangeliums taufte er als ein rechtschaffener Mann Jesus im Jordan. Der Prophet wurde eingesperrt, weil er Herodes Antipas aufforderte, seine bösen Wege zu reformieren, woraufhin er hingerichtet wurde. John wurde häufig in der christlichen Kunst gezeigt, erkennbar an seiner Schale, dem Schilfkreuz, der Kamelhaut und dem Lamm.

Die beliebteste Szene vor der Gegenreformation war die Taufe Jesu durch Johannes oder der Baptistenkind zusammen mit dem Jesuskind und seiner Mutter Maria. In der frühen Schaffensphase stellte Caravaggio Johannes den Täufer normalerweise in Gestalt eines Jungen oder Jugendlichen dar, wobei andere Figuren in den Gemälden des Meisters fehlten.

Abgesehen von diesen Werken, die John allein ohne Christus zeigen und größtenteils auf seine frühen Jahre datieren, malte Caravaggio drei großartige Erzählszenen von Johns Tod: ein auf Malta gefertigtes Gemälde „Enthauptung Johannes des Täufers“ und zwei identische, düstere Kunstbilder „Salome mit dem Kopf Johannes des Täufers“, an denen der Meister kurz vor seinem Tod arbeitete (eines wird in Madrid, das zweite – in London aufbewahrt). Die berühmtesten Werke des Malers befinden sich in der Kunstsammlung des Kapitolinischen Museums in Rom und Kopien davon schmücken die Wände der Galerie Doria Pamphilj.

Analyse des Werks

Das Bild des heiligen Propheten war eines von Caravaggios Lieblingsthemen. Die Hauptfigur des Gemäldes „Johannes der Täufer“ ist im Vergleich zu anderen ähnlichen Werken jünger dargestellt. Das Werk wurde vom Meister kurz vor seinem Tod fertiggestellt und stammt aus dem Jahr 1610. Johannes der Täufer erscheint in Gestalt eines sehr jungen Mannes in einer einfachen, entspannten Haltung und mit einem nachdenklichen Blick. Es scheint ein Porträt des Hirtenjungen in Ruhe vor dem Hintergrund eines auffälligen roten Vorhangs zu sein.

Das Gemälde zeigt einen Jungen, der vor einem dunklen Hintergrund zusammengesunken ist, wo ein Schaf an einer mattbraunen Rebe knabbert. Die Tradition, den biblischen Propheten als Jungen und nicht als reifen, weltklugen Mann darzustellen, ist seit der Renaissance entstanden. Der Junge ist in Träumereien versunken: Vielleicht ist er als Johannes in privater Melancholie versunken und denkt über das kommende Opfer Christi nach; oder vielleicht ist er als echtes Straßenkind, das stundenlang modellieren muss, nur gelangweilt. Wie so oft bei Caravaggio ist der Sinn von beiden gleichzeitig. Aber das überwältigende Gefühl ist von Trauer. Der rote Umhang umhüllt seinen mickrigen kindlichen Körper wie eine Flamme im Dunkeln, der einzige Hauch von Farbe, abgesehen vom blassen Fleisch des jugendlichen Heiligen.

Caravaggios Werke aus der frühen Schaffensphase zeichnen sich durch eine Lichtfülle und eine rosige Stimmung aus und die Werke aus der späteren Schaffensphase zeichnen sich durch Drama, Fülle von Emotionen und Leidenschaften aus. Die Werke, die der Künstler in den letzten Jahren seines kurzen Lebens geschaffen hat, sind von einem tragischen Gefühl des Seins geprägt. In vielerlei Hinsicht spiegeln die Werke von Caravaggio seinen eigenen Lebensweg wider.

Das Schicksal des Gemäldes und der Streit um die Urheberschaft

Das Werk „Johannes der Täufer“ gilt als eines der letzten Werke des Meisters. Er arbeitete an seiner Entstehung in der gleichen Zeit, als er das Gemälde „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“ malte. Es ist bekannt, dass der Maler nach Rom ging und das Werk mitnahm, um es Kardinal Scipione Borghese als Geschenk zu überlassen, als Dankeschön dafür, dass er um ein Begnadigungsdekret vor der päpstlichen Kommission ersucht hatte (es handelt sich um den Mordvorwurf von Caravaggio). Bereits 1613 wurde das Gemälde Teil der Kunstsammlung der Fürstenfamilie, wie die Zeilen aus dem Gedicht Scipione von Franucci da Imola belegen.

Die erste offizielle Erwähnung des Werkes „Johannes der Täufer“ ist mit der Bestandsaufnahme in der Borghese Galerie verbunden, das 1693 durchgeführt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt wurde die Urheberschaft des Gemäldes Caravaggio zugeschrieben. In kunstkritischen Kreisen kam es später zu Streitigkeiten darüber, von wem genau das Werk gemalt wurde. Nach einer weiteren Bestandsaufnahme von 1790 bis 1833 glaubte man, dass das Werk „Johannes der Täufer“ aus dem Pinsel des französischen Barockkünstlers Valentin de Boulogne stammt. Diese Version wurde jedoch widerlegt.

Borghese Gallery in Rome,

Autor: Caravaggio

Caravaggio

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610) ist ein italienischer Maler, der als einer der bedeutendsten Schöpfer der modernen Malerei gilt. Seine Werke kombinieren eine realistische Wahrnehmung des menschlichen Zustands, sowohl physisch als auch emotional, in Verbindung mit dramatischen Hell-Dunkel-Kontrasten, die einen tiefgreifenden Einfluss auf die Barockmalerei hatten.