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Bildnis des Papstes Julius II

Das „Bildnis des Papstes Julius II“ (Öl, Maße: 101 x 83 cm) wurde um 1511-1512 vom italienischen Künstler der Hochrenaissance Raffael fertiggestellt. Das Kunstmeisterwerk ist in der Sammlung der Borghese Galerie ausgestellt und ist in Raum 9 zu sehen.

Historischer Hintergrund

Das von Raffael geschaffene Porträt von Papst Julius II. war für jene Zeit ein eher ungewöhnliches Gemälde. Das Werk des Meisters beeinflusste in vielerlei Hinsicht das Schaffen anderer Künstler, die später Päpste darstellten. Das Gemälde wurde von Anfang an zu einem Schmuckstück der Innenausstattung der Basilika Santa Maria del Popolo. An Festen und Feiertagen wurde es an den Säulen des Tempels an der Seite des Gebäudes gehängt, an der die Hauptstraße von Norden nach Rom führte. Der Autor der berühmten “ Lebensbeschreibungen „, Giorgio Vasari, der viele Jahre nach dem Tod von Papst Julius II. sein monumentales Kunstwerk schuf, beschrieb das Werk Raffaels und behauptete: „Das Porträt des Papstes sah so lebendig und glaubwürdig aus, dass es alle Betrachter begeisterte. Die abgebildete Person schien so realistisch zu sein.“

Seit der Entstehung von Raffaels Schöpfung wurden zahlreiche Kopien angefertigt. Viele Jahre lang galt das Bildnis des Papstes Julius II., das in den Uffizien in Florenz aufbewahrt wurde, als Original oder als Replik, die dem Original getreu nachgebildet ist. 1970 stellten Kunstkritiker diesen Standpunkt in Frage. Die erste Version des Werks befindet sich, wie viele Forscher heute glauben, in Großbritannien und ist in der London National Gallery ausgestellt.

Somit ist das in der Borghese Gallerie ausgestellte Werk eine Kopie des berühmten Porträts, das derzeit in London aufbewahrt wird. Das Originalgemälde wurde von Raffael in den Jahren 1511-1512 angefertigt, um das Innere der Basilika Santa Maria del Popolo in Rom zu schmücken. 1591 wurde das Porträt von Papst Julius II. aus dem Tempel vom Kardinal Sfondrato beschlagnahmt. Nach einiger Zeit wurde das Kunstwerk an Kaiser Rudolph II. verkauft.

1608 wurde das Gemälde zusammen mit neunundsechzig anderen Gemälden von Kardinal Scipione Borghese erworben. Die Enstehungsgeschichte der Kopie bleibt unbekannt. Die dokumentarische Erwähnung des Werkes wird erst auf das 1787 datiert. Das Gemälde wurde auch in die Liste der Werke aufgenommen, die in der Erbakte von 1833 aufgeführt sind. Damals wurde die Urheberschaft an der Kopie Giulio Romano zugeschrieben, woraus geschlossen werden kann, dass das „Bildnis des Papstes Julius II.“ zur späteren Zeit Teil der Sammlung der Borghese Galerie wurde.

Analyse des Werks

In kunsthistorischen Kreisen sind mehr als elf Kopien des Gemäldes „Bildnis des Papstes Julius II.“ bekannt. Raffael stellt den Papst lebensgroß und in Dreiviertelfigur in einem Lehnstuhl vor einem grünen Vorhang sitzend dar. Leicht nach rechts gewandt, geht auch der konzentrierte Blick des Dargestellten in diese Richtung. Der Papst sitzt in sich gekehrt. Über einem weißen Rochett, die sein bischöfliches Amt signalisiert, trägt der Papst Mozzetta und Camauro, einen kurzen, nur die Schultern bedeckenden Umhang mit Kapuze und eine eng anliegende Kappe. Aus purpurfarbenem Samt gefertigt und mit Hermelin gesäumt, machen diese beiden Kleidungsstücke Julius’ imperialen Machtanspruch unmissverständlich deutlich. Die Ikonographie der Papst-Porträts war vor dem Erscheinen des Meisterwerks von Raffael etwas anders: Die Künstler stellte die Figuren frontal dar, oft kniend, streng im Profil. Das vom Meister dargestellte Bild des Papstes schien für jene Zeit sehr „ungewöhnlich“. Raffael porträtierte Julius II. in einer so geschickter Weise, dass der Betrachter die besondere Stimmung und Tiefsinnigkeit der Hauptfigur leicht spüren kann.

Feiner Psychologismus, das Eindringen in die innere Welt eines Menschen, so fremd für die traditionellen Papst-Bilder, die von Raffaels Vorgängern ausgeführt wurden, wurde zu einer Art Vorbild, dem Künstler der folgenden Jahre wie Sebastiano del Piombo und Diego Velazquez nacheiferten. So gelang es dem Meister, die Kunstkanonen der Porträtmalerei zu ändern, die sich im Laufe von etwa zwei Jahrhunderten entwickelt hatten.

Raffael arbeitete von Juni 1511 bis März 1512 an der Schöpfung des Porträts. In dieser Zeit ließ sich der Papst seinen Bart als Zeichen der Trauer um die Stadt Bologna wachsen, die er infolge des Krieges verlor. Andere Werke, die Julius II. und seine Vorgänger darstellen, stammen ebenfalls aus dem Pinsel des Meisters. Es handelt sich um die Komposition der Wandgemälde, die in den Räumen mit Raffaels Fresken „Stanza della Senyatura“ im Päpstlichen Palast des Vatikans zu sehen sind. Im Werk „Messe in Bolsen“ werden der Papst Julius II. (Er ist mit einem Vollbart dargestellt), seine uneheliche Tochter Felice della Rovere, eine der einflussreichsten Frauen der Renaissance, sowie der Künstler selbst unter einer Gruppe junger römischer Aristokraten, die den päpstlichen Tragsitz tragen durften, dargestellt. Die Kunstforscher können die Figur mit den Gesichtszügen von Raffael selbst in einem anderen Werk des Meisters erahnen: im Fresko „Schule von Athen“, das die Stanza della Senyatura schmückt.

Schirmherrschaft des Papstes

Papst Julius II. beauftragte Raffael, sein Porträt sowie das Gemälde „Madonna mit Schleier“ zu malen. Beide Werke sollten das Innere der Basilika Santa Maria del Popolo schmücken, die sich am zentralen Nordtor Roms befindet. Als das Porträt von Papst Julius II. fertig war, wurde es sofort in den Tempel gebracht und an der Wand gehängt. Acht Tage lang versammelten sich Menschenmengen in den Mauern der Basilika, um das Meisterwerk zu bewundern.
Beide Werke von Raffael sind ähnlich groß und scheinen sich gegenseitig zu ergänzen. Sowohl „Madonna mit Schleier“ als auch „Bildnis des Papstes Julius II.“ unterscheiden sich durch ein vertikales Format. Die Figuren der Gemälde scheinen in tiefe Traurigkeit versunken zu sein, und ihr Blick scheint geistesabwesend. Die Kreationen des Meisters wurden nebeneinander auf beiden Seiten des Altars in einer der Kapellen der Basilika Santa Maria del Popolo angeordnet. Im Laufe der Zeit ging das Werk mit dem Bild der Madonna trotz der Paarung der Werke in die Hände eines anderen Besitzers über. Dieses Kunstmeisterwerk befindet sich derzeit in Frankreich in der Stadt Chantilly und ist in der Sammlung des Condé-Museums enthalten.

Borghese Kunstsammlung

Wie auch immer gehörten beide Gemälde 1693 zur Sammlung Borghese. Ein Beweis für diese Version sind die kleinen Ziffern (Inventarnummer 118) in der unteren linken Ecke des „Bildnisses des Papstes Julius II.“, das sich jetzt in London befindet. Unter dem Decklack wurden besondere Kennzeichen versteckt. Die Forscher entdeckten die Inventarnummer im Jahre 1969 mithilfe von Röntgenstrahlen. Dieser Fund wurde zu einer der wichtigsten Bestätigungen, dass das Kunstmeisterwerk aus der Sammlung der London National Gallery die früheste aller existierenden Versionen des Gemäldes ist. Außerdem stimmt das Werk voll und ganz mit der Beschreibung des „Bildnisses des Papstes Julius II.“ überein, das im 1693 erstellten Katalog der Kunstwerke im Palais Borghese in Rom aufgeführt wurde.

Forscher vermuten, dass die Schöpfung des Meisters zwischen 1794 und 1797 nicht mehr Teil der Schatzkammer der berühmten Fürstenfamilie war. Der Verbleib des „Bildnisses des Papstes Julius II.“ war bis 1823 unbekannt, als das Gemälde in die Privatsammlung des englischen Geschäftsmanns, Kunstfreundes und Kunstgönners John Julius Engerstein gelangte. 1824 erwarb die London National Gallery das Kunstmeisterwerk. Im ersten Katalog des Museums wurde angegeben, dass das Gemälde aus dem Pinsel Raffaels stammt. Doch ein Jahrhundert später wurde die Behauptung über die Urheberschaft am Werk erneut in Frage gestellt.

Borghese Gallery in Rome,

Autor: Raffael

Raphael

Raffaello Sanzio da Urbino (1483-1520), bekannt als Raffael, war ein italienischer Maler, Zeichner und Architekt. Er gehört zu den wichtigsten Künstlern der europäischen Kunstgeschichte. Seine Werke sind berühmt für ihre Klarheit in Form und perfekte Proportionen bei der Darstellung des menschlichen Körpers. Gemeinsam mit Michelangelo und Leonardo da Vinci bildet er das Dreigestirn der mittelitalienischen Hochrenaissance.